„Kannst du mir eine Homepage bauen?“, so fing es vor 12 Jahren an als ich meinen ersten Auftrag erhielt. Ich lernte gerade Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Multimedia.

Ich war jung, naiv und wollte das Geld. Was ist geiler als mitten in der Schule mit der Selbständigkeit zu starten? Also habe ich einfach mal ja gesagt, was soll schon schiefgehen?

Ehe ich Dir meine ganze Geschichte erzähle. Auf die Idee zum Thema bin ich wegen der Blogparade von lexoffice gekommen. Da dachte ich mir, klar ich schreibe gerne meine Geschichte, mit allen Tücken, Fallen und Höhepunkten, die ich erlebt habe. Ich hoffe, das motiviert Dich zu starten. Legen wir los.

Selbstständigkeit starten

Es gibt Coachings, um Dich auf die Selbstständigkeit vorzubereiten. Oder die Existenzgründer vom BMWi, die Dir helfen durchzublicken. Dort bekommst Du viele Informationen. Keine Frage. Ich habe die ein oder andere Veranstaltung besucht. Hat mir das geholfen? Bedingt. Warum? Das verstehst Du nach der ganzen Geschichte.

Mein erster Auftrag war eine Website zu entwickeln: Design und Umsetzung. Ich hatte schon Websites gebaut und fand das Thema cool. In der Schule kam gerade das Thema Websites auf. Wir arbeiteten mit Dreamweaver und lernten HTML mit CSS kennen. Tolle Sache, kann ich heute noch. Also die Sprachen. Dreamweaver braucht kein Mensch.

Zum Glück war ich so naiv und selbstbewusst und habe einfach zugesagt. Wie schwer kann es schon sein? Bei meinem ersten Auftrag merkte ich schnell: Ich kann doch nicht alles. Da die Schule keine Hilfe war, brachte ich mir fehlendes Wissen selbst bei. Das war viel, aber selbstbestimmt.

Was nicht selbstbestimmt und vorhersehbar war: mein erster Kunde. Ja, das wird jetzt klischeehaft. Dauernd gefiel ihm „etwas“ nicht. Dabei wusste er selbst nicht genau was er will. Er schickte mir als Auftrag lediglich ein paar schlecht geschriebene Texte und meinte baue daraus mal eine Site. Mehr nicht.

Ok, dachte ich und machte drei Design-Entwürfe fertig, die ich ihm schickte. Wir einigten uns auf einen Entwurf und ich legte sofort los. Leider stelle ich nach kurzer Zeit fest: Mein schlichter Entwurf und die extravaganten Wünsche meines Kunden ließen sich schwer verbinden. Feuer und Eis hat schon bei Game of Thrones in Krieg geendet.

Er stand auf aufwendige Slider mit großen Bildern und diese fließende Texte, die von rechts nach links über den Bildschirm wandern. Das war damals nicht cool und ist es heute nicht. Problem war damals, es war nur mit Flash umzusetzen und die Site wurde dadurch sehr langsam. Oder anders, ich wollte mich da nicht reinarbeiten. Habe darin kein Potenzial gesehen, womit ich recht hatte, seit 2020 ist Flash gestorben. Aber der Kunde ist König.

Es war ein ständiges hin und her. Die Site wurde endlich fertig und ich stellte sie online. Ein gigantisches Gefühl das erste Projekt im Web zu finden. Rechnung geschrieben mit Kleinunternehmerregelung und abgeschickt. Da hatte ich nicht mal die Schule fertig und verdiente schon mein erstes Geld. Yippie!

Webheldins erste Website online.
Die linke Version war die finale im Internet. Mein Favorit war die rechte.

Kunde flieht ins Ausland

Der Kunde war begeistert und gab mir gleich den nächsten Auftrag. Obwohl ich wusste, worauf ich mich einlasse, sagte ich zu. Zum Glück wollte er nur einen Flyer. Das kann ja nur besser laufen. Es lief tatsächlich besser. Der Flyer war schneller fertig als die Website. Ich freute mich mal wieder ein gedrucktes Produkt von mir in den Händen zu halten und ein wenig Geld verdient zu haben. Gleiches Spiel nochmal: Rechnung geschrieben und ab damit.

Aber wo blieb mein Geld eigentlich? Die Rechnung ging vor einem Monat raus. Kein Stress, rufst du ihn kurz an, dachte ich mir. Mein Kunde geht nicht ran. Ok, vielleicht kann er gerade nicht, schreibe ich eben eine Mail. Ich wartete eine Woche. Nichts passierte. Jetzt hatte ich nur noch eine Möglichkeit.

Mein Kunde arbeitet im Auftrag für einen anderen Kunden. Den kannte ich natürlich, da ich das Logo ja selbst in die Datei eingebunden habe. Voller Panik und ohne nachzudenken, rief ich einfach dort an. Mein Geld habe ich bekommen und meinen ersten Kunden verloren.

Tja, das Ende war dann doof. Mein Kunde war geschäftlich nur kurz ins Ausland verreist und wollte mir das Geld nach seiner Rückkehr zahlen. Warum hat er mir das nicht vorher mitgeteilt? Das frage ich mich bis heute. Zum Glück habe ich in der Zeit bereits neue Kunden akquiriert und machte einfach weiter.

Was habe ich gelernt?

– Angebote immer schriftlich bestätigen lassen.

– Wenn der Kunde einmal zahlt, tut er es auch ein zweites Mal (im Regelfall).

– Ist der Auftrag teuer, lass Dich anteilig im Voraus bezahlen.

Umsonst arbeiten geht immer

Im Webdesign haben vor 10 Jahren die Aufträge nie lange gedauert. Wenn im Freundeskreis jemand mitbekam, dass ich Websites entwickle, ging es sofort los. „Kannst du mal über meine Homepage schauen?“ oder „Ich habe da ein Problem mit meiner Homepage. Du kannst doch sowas, oder?“

Jeder wollte mein Wissen haben, aber wenig dafür bezahlen. Bis hin zu „Freunden“, die dauernd um einen Gefallen baten. Natürlich umsonst, wir sind ja schließlich Freunde. Ich merkte schnell. Meine Arbeit wird nicht honoriert. Obwohl, Websites im Kommen waren und Web-Entwickler:innen rar waren, war es schwer mich durchzusetzen.

Naiv wie ich war, dachte ich, wenn ich freundlich und hilfsbereit bin, wird die Mundpropaganda für mehr Kunden sorgen. Entweder meine Freunde erzählten nicht von mir und meinem Können oder sie erwähnten, bei mir gibt es was umsonst.

Ich ließ mich davon nicht entmutigen. Damals war Websites entwickeln viel zeitaufwendiger, als heute mit einem Klick WordPress zu installieren, dennoch hatte ich viel Spaß daran. So baute ich meine Websites einfach so weiter. Bis ich auf Contao (heute würde ich das nicht mehr empfehlen) gestoßen bin. Mein erstes CMS auf das ich gestoßen bin. Da ging es dann richtig los.

Websites so zu verwalten und viel leichter Funktionen einzubauen. Das war es. Das wollte ich weiter machen. Webdesign war äußerst beliebt und entsprechend teuer, sodass sich das nicht jeder leistete. Um dennoch Geld zu verdienen, designte ich Logos, Flyer und sonstige Printmedien. Also alles, was sich designen ließ.

So hangelte ich mich neben der Schule durch. Da die Selbstständigkeit nur so vor sich hin tröpfelte und ich immer noch jung war und das Geld wollte, habe ich als Webentwicklerin festangestellt gearbeitet. Besser arbeiten als nicht arbeiten. Und als Frau in der Branche war ich sehr beliebt.

Was habe ich gelernt?

– Einen Kunden zu halten, ist leichter als einen neuen bekommen.

– Echte Freunde von unechten unterscheiden zu können.

Wegen Banane abgemahnt

Selbständig war ich nur nebenbei. Was an Aufträgen hereinkam war gut, was nicht war auch gut. So vergingen ein paar Jahre und zwei Kinder später.

Nach der Elternzeit ergatterte ich einen super Job in einer Agentur. Leider musste ich wegen Wegzug die Stelle hinter mir lassen. Wie also weiter machen? Zum Glück war mein Arbeitgeber so angetan von meiner Arbeit und bot mir an, für ihn weiterzuarbeiten: natürlich freiberuflich.

Yeah. Wieder ab in die Selbstständigkeit. Das Angebot habe ich gerne angenommen. So ging es wieder von vorne los. Die Aufträge kamen schnell von ihm rein. Und ich war wieder mitten drin. Um einer Scheinselbstständigkeit vorweg zu kommen, akquirierte ich fleißig neue Kunden.

Ich will ehrlich sein, am Anfang lief es schleppend. Da braucht es Durchhaltevermögen und Selbstmotivation. Mit der Zeit kamen langsam mehr Aufträge. Ich managte alles selber: Als gelernte Kauffrau hatte ich keine Angst vor Buchhaltung oder Rechnungen schreiben. Ich bearbeitete meine Aufgaben und sorgte mit meiner Art für weitere Aufträge.

Bis ich eines Tags zum Briefkasten ging. Da war Post vom einem unbekannten Anwalt drin. Ok, das war nicht das erste Mal, dass ich Post von einem Anwalt bekam. Tatsächlich hatte ich es bis dahin schon drei vor Gericht geschafft. Nicht, weil so gerne klaue und andere über den Tisch ziehe oder gar langweilige habe. Nein, das lag nicht an mir. Aber gut, so läuft es manchmal.

Ich öffnete den Brief und sollte 200,00 Euro bezahlen. Ich schreibe es nochmal: 200,00 Euro. Das ist viel Geld. Da fing ich gerade an wieder Geld zu verdienen, dann sowas. Und warum? Weil ich dumm war. Ich hatte damals auf meinem Blog, nicht hier, ein Artikelbild von einer Banane hochgeladen.

Bananen liegen auf dem Tisch
Diesmal selber fotografiert. Nicht schön aber das Urheberrecht ist bei mir ;).

Das Bild habe ich bei einer dieser Seiten mit Lizenzfreien Bildern geladen. Dumm von mir war, erstens habe ich den Titel des Bildes nicht geändert, somit war das Bild per Suche sehr schnell zu finden. Zweitens habe ich den Urheber nicht angegeben, obwohl ich mich dazu verpflichtet habe.

Da war Webentwicklung mein Steckenpferd, und in meinem WordPress-Theme war der Bilduntertitel ausgestellt. Problem gefixed, beim Anwalt angerufen und entschuldigt. Ich konnte ihn wegen des unbeabsichtigten Fehlers auf 150,00 Euro herunterhandeln.

Teurer Spaß für ein Bild von einer Banane, was ich hätte selber machen können.

Was habe ich gelernt?

– Verletzte niemals das Urheberrecht. Du willst auch nicht, dass andere Deine Bilder klauen.

– Sichere Dich rechtlich ab.

Arbeite selbst und ständig

Sobald Du erzählst, Du bist selbständig, fällt der Spruch. Dann kam von mir ein genervtes Augenrollen, gefolgt von der Aufklärung was es wirklich heißt selbständig zu sein. Ständig musste ich nicht arbeiten, aber ich habe viel gearbeitet. Und vor allem zu ungewöhnlichen Zeiten: Wenn eine Abgabefrist bis zum nächsten Tag stand und ich nicht fertig war. Tja, dann gibt es zum Glück noch eine Nacht dazwischen.

Mich hat sowas nie gestört, wo andere sich gewundert haben. Ich bestimme, wann ich arbeite, das ist mir viel wichtiger als feste Zeiten. Am Ende hatte ich wie jeder andere nur eine normale Stunden-Woche und am Wochenende Freizeit. Mehr habe ich nie gearbeitet, falls ich mal vormittags einen Arzttermin hatte, habe ich später gearbeitet. Sich freie Zeit einteilen – das ist Luxus. Nach Homeoffice weiß das jeder.

Eine Sache ist am Spruch aber dran. Du tauschst Zeit gegen Geld, und zwar direkt. Wenn Du fest angestellt bist und nebenbei mal Instagram checkst, wirst Du dennoch dafür bezahlt. Als FreiberuflerIn nicht. Du bist für alles zuständig, von der Büroklammer bis zur Mahnung.

Was habe ich gelernt?

– Es fühlt sich nicht nach selbst und ständig an, weil es Dein Ding ist.

– Du brauchst viel Disziplin und Durchhaltevermögen.

Aller guten Dinge sind drei oder so

Jedes Jahr stieg mein Umsatz. Potenzial nach oben war noch da, aber die Zahlen stiegen. Die Aufträge kamen solide rein. So hätte ich nur weiter machen müssen. Es lief gut, bis es passierte: Anfang 2020.

Corona.

Ja ich kann dieses Wort auch nicht mehr lesen. Aber dann war Ebbe. Nullkommanix. Gar nichts. Stillstand. Wo vor allem im Winter das Geschäft hervorragend lief, stand nun eine Null. Wenn Dich das Jobcenter fragt, ob Du überhaupt freiberuflich tätig bist, dann bist Du am Ende angekommen. Ob ich mir dessen sicher bin, wenn da keine Umsätze sind?

Kosten sind weiter entstanden: Programme und Lizenzen bezahlte ich weiter. Aufträge habe ich erstmal keine mehr reinbekommen. Ob ich mich bemüht habe? Nicht so recht. Ich dachte, meine Branche wäre davon nicht betroffen. Pustetorte.

Vielleicht habe ich mich für zu gut gehalten. Vielleicht war ich zu unmotiviert, wieder ganz von vorne anzufangen. Ich habe Kinder zu ernähren und Rechnungen zu bezahlen. Erstmal arbeite ich in Teilzeit als Webdesignerin festangestellt.

Die Selbstständigkeit lässt mich einfach nicht los. Klar machst Du alles selber. Jede Rechnung ins Buchhaltungs-Tool eintragen. Manchmal Angst haben, kein Geld zu bekommen. Gelegentlich bekommst Du Post vom Anwalt, weil Du ein Urheberrecht verletzt hast. Oder Du arbeitest nachts, weil Dein Zeitmanagement hinkt und das Projekt am nächsten Morgen fertig sein muss.

Dennoch hat es mir immer sehr viel Spaß bereitet, soviel, dass ich es nochmal wage. Diesmal baue ich nicht einfach Deine Website, sondern helfe Dir, sie selbst zu erstellen. So weißt Du, wie es richtig geht.

Ich habe etliche Websites erstellt. Ein Problem zeigte sich bei der Übergabe der Website: Wenn Du keinen Plan hast, wie WordPress funktioniert, wie willst Du Dein Online-Business voranbringen? Richtig, gar nicht. Deswegen biete ich jetzt meine Hilfe an.

Deine potenziellen Kund:innen sollen Deine Website mega finden, aber wenn Google Deine Site auch mag, hast Du doppelt gewonnen. Mach sie zu Deiner besten Verkäuferin, die 24/7 für Dich arbeitet.

Ich helfe Dir, Dir selbst zu helfen, Deine überzeugende Website zu bauen. Falls Du Bock hast mich zu testen oder über Deine Website zu quatschen, buche einen Termin für einen Kennenlernen mit mir. Dann sehen wir, ob und wie ich Dir helfen kann.

Mein Fazit

Wenn Du Dein Ding gefunden hast und Dich damit selbstständig machen willst, dann tu es. Am Ende ist nichts vorhersehbar, daher gilt einfach machen. Hole Dir Hilfe, wenn Du nicht weiterweißt und lass Dich nicht ausbremsen.

Gucke nicht soviel bei der Konkurrenz, sondern schaue, was auf Deiner Do-To-Liste steht. Schreibe und lese jeden Tag. Bleibe dran – immer. Nie aufgeben.

Danke an Lexoffice für die Blogparade.

Verwebliche Dich selbst.

Deine Désirée

2 Kommentare zu „Lebensgefühl selbstständig – einfach anfangen statt warten“

  1. Corona hat wahrscheinlich alle Soloselbstständigen hart getroffen, aber ich vermute stark, dass das dicke Ende für viele Angestellte noch kommen wird, wenn nämlich die Kurzarbeiterzeit vorbei ist und Unternehmen es nicht schaffen, die durch Coronabedingten Schulden zu tilgen. Aber okay, ist ein anderes Thema.

    Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen, dass das mit dem Schreiben funktioniert, wobei ich halt festgestellt habe, dass es besser ist, sich auf mehrere Bereiche zu fokussieren, durchaus auch Dinge, die vielleicht nicht viel miteinander zu tun haben. Aber da wir ja beide vor 11 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben, haben wir da wohl beide fast denselben Erfahrungsschatz und was ich schreibe nicht wirklich was Neues.

    Liebe Grüße aus Berlin
    Sven

    1. Hallo Sven,

      vielen lieben Dank für Deinen Kommentar. Ja, Corona hat alle hart getroffen. Ich bin froh, wenn es vorbei ist.
      Schön das Du bei der Blogparade mitmachst. Jede Geschichte hat ihre Facetten und interessanten Erfahrungen, auch wenn sich manches ähnelt.

      Liebe Grüße
      Désirée

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